Während viele Schweizer Luxusuhren auf bewährte Formen setzen, hat Bulgari mit der Octo Finissimo eine eigene Designsprache entwickelt. Ihre kantige Silhouette, das außergewöhnlich flache Gehäuse und die aufwendige Mechanik machen sie zu einer der interessantesten Uhren der vergangenen Jahre. Dabei begann ihre Geschichte lange vor dem ersten Rekordwerk und zwar mit einem der berühmtesten Uhrendesigner überhaupt: Gérald Genta.

Inhalt des Artikels:
- Von Gérald Genta zur Bulgari Octo
- Ein Gehäuse wie ein architektonisches Bauwerk
- Ultraflache Uhrwerke: Technik auf engstem Raum
- Octo Finissimo, Octo und Octo Roma: Die Unterschiede
- Eine moderne Ikone mit eigenem Charakter
Von Gérald Genta zur Bulgari Octo
Die Wurzeln der Octo reichen bis in die 1990er-Jahre zurück. Damals entwickelte Gérald Genta, bekannt für Ikonen wie die Audemars Piguet Royal Oak und die Patek Philippe Nautilus, eine achteckige Gehäuseform für seine eigene Uhrenmarke. 1994 erschien die Octo Grande Sonnerie Tourbillon.
Als Bulgari im Jahr 2000 die Marken Gérald Genta und Daniel Roth samt ihrer Schweizer Fertigungsstätten übernahm, sicherte sich das Unternehmen nicht nur wertvolles uhrmacherisches Know-how, sondern auch die Grundlage für eine neue Modellfamilie. 2012 wurde die Octo unter eigenem Namen vorgestellt, zwei Jahre später folgte die erste Finissimo.
Wie extravagant die frühen Entwürfe noch waren, zeigt die Bulgari Octo Gérald Genta Quadri-Retro, Ref. BGO45SCCHQR. Mit springender Stunde, retrograder Minutenanzeige und einem Gehäusedurchmesser von 45 mm steht sie für eine deutlich verspieltere Interpretation der Octo. Die spätere Finissimo sollte dagegen vor allem durch Reduktion überzeugen.
Ein Gehäuse wie ein architektonisches Bauwerk
Die Besonderheit der Bulgari Octo liegt im Zusammenspiel unterschiedlicher geometrischer Formen. Ein rundes Zifferblatt trifft auf eine achteckige Lünette, während die abgestuften Gehäuseflächen beinahe skulptural wirken. Bei der ursprünglichen Octo sind es insgesamt 110 Facetten, deren unterschiedliche Winkel ein lebendiges Wechselspiel aus Licht und Schatten erzeugen.
Als Inspiration dient unter anderem die Architektur des antiken Roms, insbesondere die Maxentiusbasilika. Damit schlägt Bulgari eine Brücke zu den eigenen Wurzeln: Das Unternehmen wurde 1884 von Sotirio Bulgari in der Ewigen Stadt gegründet.
Unter der gestalterischen Leitung von Fabrizio Buonamassa Stigliani erhielt die Octo Finissimo schließlich ihre charakteristische, fast monolithische Erscheinung. Matte Oberflächen, zurückhaltende Zifferblätter und ein fließend integriertes Armband lassen die komplexe Gehäusearchitektur besonders deutlich hervortreten.
Ultraflache Uhrwerke: Technik auf engstem Raum
Mit der Octo Finissimo begann für Bulgari eine bemerkenswerte Serie uhrmacherischer Rekorde. Bereits 2014 präsentierte die Marke mit dem Kaliber BVL 268 ein nur 1,95 mm hohes Tourbillonwerk. 2017 folgte die Octo Finissimo Automatic mit dem damals flachsten automatischen Armbanduhrwerk der Welt.
Das Kaliber BVL 138 misst gerade einmal 2,23 mm in der Höhe. Anstelle eines herkömmlichen zentralen Aufzugsrotors verwendet Bulgari einen Mikrorotor aus Platin, der auf derselben Ebene wie das übrige Räderwerk arbeitet. Trotz der extrem kompakten Konstruktion erreicht das Werk eine Gangreserve von rund 60 Stunden.
Wie alltagstauglich diese Technik inzwischen geworden ist, zeigt die Octo Finissimo Ref. 103464. Ihr Edelstahlgehäuse misst 40 mm im Durchmesser, ist lediglich 6,1 mm hoch und bis 100 Meter wasserdicht. Die schwarze Keramikversion Ref. 103077 setzt mit ihrem monochromen Erscheinungsbild einen anderen gestalterischen Akzent, ohne auf das bewährte Kaliber BVL 138 zu verzichten.

Noch anspruchsvoller wird die Konstruktion, wenn zusätzliche Komplikationen hinzukommen. Die Octo Finissimo Chronograph GMT Ref. 103467 kombiniert eine Stoppfunktion mit einer zweiten Zeitzone. Ihr Kaliber BVL 318 verfügt über einen peripheren Aufzugsrotor, der das Werk trotz Chronographenmechanik auf nur 3,3 mm Höhe begrenzt. Die Edelstahluhr selbst misst 8,7 mm und bietet eine Gangreserve von etwa 55 Stunden.
Den bislang spektakulärsten Beweis ihrer Kompetenz lieferte Bulgari 2024 mit der Octo Finissimo Ultra COSC. Die gesamte Uhr ist nur 1,70 mm hoch und erhielt dennoch eine offizielle Chronometerzertifizierung. Möglich wurde dies unter anderem durch eine Konstruktion, bei der der Gehäuseboden zugleich als Werkplatine dient.
Chronograph, Chronometer, CosmographWas ist eigentlich der Unterschied?
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Octo Finissimo, Octo und Octo Roma: Die Unterschiede
Nicht jede Bulgari Octo ist automatisch eine Finissimo. Die reguläre Octo besitzt eine ausgeprägtere Gehäusehöhe und folgt einer klassischeren Uhrwerksarchitektur. Die Octo Solotempo Ref. 102779 beispielsweise verwendet das Automatikkaliber BVL 191 mit Datumsanzeige und einer Gangreserve von etwa 42 Stunden.
Die Octo Roma wiederum interpretiert die charakteristische Gehäuseform mit weicheren Konturen und einer insgesamt runderen Erscheinung. Innerhalb dieser Linie finden sich auch klassische Komplikationen wie beim Octo Roma WorldTimer Ref. 103481, dessen Kaliber BVL 257 die Zeit verschiedener Zeitzonen anzeigt.
Weitere Ausführungen der Bulgari Octo
Die Finissimo bleibt dagegen die technisch ambitionierteste und gestalterisch konsequenteste Interpretation der Octo. Gerade diese Verbindung aus italienischem Design und Schweizer Uhrmacherei hat Bulgari einen festen Platz unter den innovativen Luxusuhrenherstellern verschafft.
Eine moderne Ikone mit eigenem Charakter
Ihre Bedeutung verdankt die Bulgari Octo Finissimo nicht allein den zahlreichen Rekorden. Anders als viele Uhren, die historische Erfolgsmodelle neu interpretieren, hat sie innerhalb weniger Jahre eine unverwechselbare Identität entwickelt. Sie ist weder eine klassische Dresswatch noch eine gewöhnliche Sportuhr, sondern verbindet Eigenschaften beider Kategorien. Sammler fasziniert vor allem ihre anspruchsvolle Mechanik, ihre ungewöhnliche Formensprache und ihr hoher Wiedererkennungswert. Und sie zeigt eindrucksvoll, dass eine moderne Uhrenikone nicht zwangsläufig eine jahrzehntelange Geschichte benötigt.
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