Unter den Chronographen gelten Rolex Daytona, Omega Speedmaster, Breitling Navitimer und TAG Heuer Carrera als vertraute Ikonen. Dabei geraten Modelle leicht aus dem Blick, die technisch und historisch eine ebenso interessante Geschichte erzählen, so etwa der Tudor Chronograph.

Inhalt des Artikels:
- Vom Oysterdate Chronograph zum Big Block
- Wie aus zwei Traditionen der Black Bay Chrono entstand
- Das Kaliber MT5813: Breitling-Basis, Tudor-Abstimmung
- Black Bay Chrono Modelle: vier unterschiedliche Charaktere
- Der Tudor Chronograph neu ausgerichtet
- Alternative zur Daytona, Speedmaster oder Navitimer?
Tudor baut seit über 50 Jahren Chronographen, entwickelte früh eine auffallend eigenständige Designsprache und verband Motorsportoptik schon lange vor der Black Bay mit robusten Oyster-Gehäusen. Der aktuelle Tudor Black Bay Chrono führt diese Linie fort und ist mehr als eine kleinere Daytona. Er ist größer, sichtbar instrumenteller und mit 200 Metern Wasserdichtigkeit näher an einer echten Sportuhr für den Alltag. Das macht ihn für Käufer interessant, die eine große Ikone bewusst umgehen möchten.
Vom Oysterdate Chronograph zum Big Block
Tudors Chronographengeschichte beginnt 1970 mit dem Oysterdate Chronograph. Die Referenzen 7031/0 und 7032/0 waren mit 39 Millimetern für ihre Zeit ausgesprochen präsent. Kantige Bandanstöße, verschraubte Drücker und auffällig gegliederte Zifferblätter unterschieden sie von den zurückhaltenderen Chronographen jener Jahre. Im Inneren arbeitete das Handaufzugskaliber Valjoux 7734.

Der Beginn des Tudor Chronograph
Schon 1971 folgte die zweite Generation. Modelle wie die Referenzen 7149/0, 7159/0 und 7169/0 sind Sammlern heute als „Montecarlo“ bekannt, weil ihre farbigen Minuterien an einen Roulettetisch erinnern. Auch technisch legte Tudor nach: Das Valjoux 234 arbeitete mit höherer Frequenz und einer anspruchsvolleren Chronographensteuerung mit Schaltrad. Der Tudor Chrono war damit von Beginn an mehr als eine preisgünstige Ableitung bekannter Rolex-Konzepte.

1976 brachte die Marke ihren ersten automatischen Chronographen auf den Markt. Die Tudor Prince Oysterdate Referenzen 9420/0, 9430/0 und 9460/0 erhielten das Valjoux 7750 sowie eine Schnellkorrektur für das Datum. Weil das Automatikwerk ein deutlich höheres Gehäuse verlangte, setzte sich unter Sammlern der Name „Big Block“ durch. Tudor bot damit einen automatischen Chronographen an, während die damalige Rolex Daytona noch von Hand aufgezogen wurde.

Mit der 79000er-Serie wurde das Gehäuse ab 1995 weicher und schlanker. Referenzen wie die Tudor Prince Oysterdate 79260, 79270 und 79280 erhielten Saphirglas und später zunehmend Tudor-signierte Bänder und Kronen. Aus „Oysterdate“ wurde schließlich „Prince Date“. Die Nähe zur Rolex-Welt ist zwar noch sichtbar, die eigene Identität aber längst ausgeprägt.
Wie aus zwei Traditionen der Black Bay Chrono entstand
Nach Heritage Chrono und Fastrider führte Tudor 2017 den ersten Black Bay Chrono, Referenz 79350, ein. Das Konzept war zunächst erklärungsbedürftig. Taucheruhrenmerkmale wie Snowflake-Zeiger, verschraubte Krone und 200 Meter Wasserdichtigkeit trafen auf eine feste Tachymeterlünette und klassische Rennsportfunktion. Diese Mischung ist inzwischen zum Kern des Modells geworden.
Die 2021 vorgestellte Referenzfamilie M79360N schärfte das Konzept. Das 41-mm-Gehäuse wurde flacher und die Totalisatoren setzten sich nun kontrastierend vom Zifferblatt ab. Zur Wahl standen ein schwarzes Reverse-Panda-Zifferblatt mit hellen Hilfszifferblättern und ein helles Panda-Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren. Das gewölbte Zifferblatt mit Saphirglas und die matte Tachymeterskala auf einer Scheibe aus schwarz eloxiertem Aluminium verstärken den Vintage-Eindruck, ohne die Uhr wie eine reine Neuauflage wirken zu lassen.

Der kantige Snowflake-Zeiger ist gestalterisch stark, kann aber Teile des 45-Minuten-Zählers zeitweise verdecken. Das ist eine Abwägung zwischen Markenidentität und perfekter Ablesbarkeit. Einen 12-Stunden-Zähler besitzt der Black Bay Chrono nicht. Als Alltagschronograph überzeugt er, für mehrstündige Zeitnahmen mögen allerdings andere Konzepte praktischer sein.
Das Kaliber MT5813: Breitling-Basis, Tudor-Abstimmung
Im Black Bay Chrono arbeitet das automatische Manufakturkaliber MT5813. Seine Architektur basiert auf dem Breitling B01, wurde von Tudor jedoch in wesentlichen Punkten angepasst. Die Kooperation zeigt, dass nicht jede Marke jedes Werk neu konstruieren muss. Tudor erhält eine erprobte integrierte Chronographenarchitektur, Breitling nutzte im Gegenzug Tudor-Kaliber für eigene Dreizeigermodelle.
Das MT5813 steuert den Chronographen über ein Schaltrad und eine vertikale Kupplung. Letztere ermöglicht ein sauberes Einkuppeln der Stoppsekunde und reduziert das bei einfacheren Konstruktionen mögliche Startspringen. Hinzu kommen eine Siliziumspirale, COSC-Zertifizierung und rund 70 Stunden Gangreserve. Damit kann die Uhr am Freitag abgelegt werden und läuft in der Regel am Montag noch.
Verschraubte Drücker schützen vor unbeabsichtigter Betätigung, verlangen beim spontanen Stoppen aber einen zusätzlichen Handgriff. Auch die Bauhöhe von 14,4 Millimetern sollte man nicht kleinreden, denn der Black Bay Chrono trägt sich durchaus präsent. Wer eine kräftige Sportuhr mit Datum bei sechs Uhr und hoher Wasserdichtigkeit möchte, ist bei Tudor richtig.
Neuere Ausführungen am Drei- oder Fünfgliedband besitzen die Tudor T-fit-Schließe, die eine schnelle Feineinstellung ohne Werkzeug erlaubt. Bei älteren Referenz- und Bandvarianten sollte man daher genau hinsehen. Gerade bei Certified-Pre-Owned entscheidet auch die konkrete Band- und Schließengeneration über den Tragekomfort.
Top 5: Die besten Rolex Alternativen
Rolex Submariner, Rolex Datejust, Rolex Daytona – fast jede Rolex ist eine Ikone für sich und entsprechend hoch ist die Nachfrage. Mit Blick auf Preise und Verfügbarkeit keimt dennoch im einen oder anderen der Wunsch nach einer Rolex Alternative. Wir stellen Ihnen daher unsere Top 5 Alternativen zu Rolex vor.
Black Bay Chrono Modelle: vier unterschiedliche Charaktere
Die Referenz M79360N-0001 ist der naheliegende Einstieg in die moderne Linie. Ihr schwarzes Zifferblatt mit hellen Totalisatoren entspricht dem klassischen Reverse-Panda-Prinzip. Genietetes Edelstahlband und Aluminiumlünette betonen den Heritage-Charakter. Sie ist die vielseitigste Wahl, wenn der Tudor Black Bay Chrono regelmäßig getragen werden soll.
Deutlich expressiver wirkt die Black Bay Chrono mit farbigen Zifferblättern, wie etwa in „Flamingo Blue“, Referenz M79360N-0024. Ihr türkisfarbenes Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren verändert die Wirkung der bekannten Konstruktion vollständig. Technik, 41 mm Durchmesser und 70 Stunden Gangreserve bleiben vertraut, doch die Uhr wird zum bewussten Farbakzent. Solche Varianten überzeugen vor allem, wenn die Farbe unabhängig von Verfügbarkeit und Marktgeschehen gefällt.
Die Black Bay Chrono S&G, Referenz M79363N-0007, kombiniert ein champagnerfarbenes Panda-Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren sowie Edelstahl und Gelbgold. Sie zeigt, wie weit sich das Grundmodell stilistisch strecken lässt. Während die reine Stahlversion instrumentell wirkt, tritt die S&G wärmer und luxuriöser auf. Die technische Basis bleibt mit MT5813, 200 Metern Wasserdichtigkeit und verschraubten Drückern unverändert robust.
Für Sammler moderner Sondermodelle ist die Black Bay Chrono „Carbon 25“, Referenz 79377KN-0001, besonders interessant. Das auf 2.025 Exemplare limitierte Modell entstand im Umfeld von Tudors Formel-1-Engagement und besitzt ein 42-mm-Gehäuse aus Carbon, Titanbauteile sowie ein Racing-White-Zifferblatt. Es ist leichter als die Stahlmodelle und gilt eher als Sammlerobjekt anstelle eines Alltagschronographen.
Tudor Chronograph kaufen
Der Tudor Chronograph neu ausgerichtet
Mit den Neuheiten 2026 schlägt Tudor ein neues Kapitel auf: Der Black Bay Chrono 39 bringt das Chronographenmodell in ein kompakteres 39-mm-Gehäuse und schärft die sportlich-elegante Linie, während der Carbon 26 mit leichtem Carbongehäuse und klarer Rennsportausrichtung die technische Seite der Kollektion betont. Beide Modelle zeigen, dass Tudor den Chronographen konsequent weiterentwickelt und ihn zwischen klassischer Black-Bay-Ästhetik und moderner High-Performance-Interpretation neu positioniert.
Alternative zur Daytona, Speedmaster oder Navitimer?
Der Tudor Chronograph ist keine universelle Ersatzlösung. Gegenüber der Daytona wirkt er größer und weniger prestigegeladen, bietet dafür aber Datum und 200 Meter Wasserdichtigkeit. Der Speedmaster Professional begegnet er mit Automatik und höherer Alltagstauglichkeit im Wasser, nicht aber mit deren Raumfahrtgeschichte und charakteristischem Handaufzug. Neben der Navitimer erscheint der Tudor aufgeräumter und robuster, verzichtet jedoch auf deren Rechenschieberlünette. Und wer die schlanke Rennsportästhetik einer Carrera sucht, dürfte den Black Bay Chrono als deutlich massiver empfinden.
Tudor verbindet letztlich eine eigenständige, bis 1970 zurückreichende Chronographenhistorie mit moderner Werktechnik und der Robustheit einer Taucheruhr. Auf dem Sekundärmarkt kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Viele reguläre Black Bay Chrono Modelle sind ohne die Aufpreise erhältlich, die den Kauf mancher berühmter Referenz begleiten.
Wer auf watch.de einen Chronograph von Tudor sucht, sollte seinen individuell passenden Charakter finden. Gerne beraten wir Sie bei der Auswahl – vor Ort in unserem Stuttgarter Juweliergeschäft oder auch telefonisch und per E-Mail: 0711 9330890 | info@watch.de. Wir freuen uns auf Sie!












