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So hält die Uhr ein Leben lang: Tipps zur Uhren-Pflege

Tudor Uhr geöffnet

IWC Uhr geöffnetWenn das Uhrwerk vor sich hin schnurrt ist nicht nur Mann glücklich. Ob eine Vintage-Uhr, ein Familien-Erbstück oder eine nagelneue Luxus-Uhr: Jeder möchte sein Lieblingsstück ein Leben lang tragen.
Doch je komplizierter die Uhr, um so aufwendiger ist die Konstruktion. Kaum ein normaler Uhrenträger kennt sich mit dem Innenleben seines Zeitmessers so gut aus, um eigenmächtig Reparaturen oder Wartungen vorzunehmen. Davon würde auch jeder Uhrmacher unbedingt abraten.
Zm Glück steht der Juwelier des Vertrauens mit Rat und Tat zur Seite wenn die Lieblingsuhr dann doch mal zum „TÜV“ muss.

Juwelier Ralf Häffner gibt hier ein paar wichtige Tipps zu Pflege und Überholung edler Zeitmesser.

Alle fünf Jahre zur Inspektion

Ein Service steht alle drei bis fünf Jahre laut Juwelier Ralf Häffner an. „Nötig ist vor allem der Ersatz der Öle, denn die können verdunsten oder verharzen“, erklärt der Profi. Auch eine Reinigung des Werkes von Abrieb sei wichtig. Dichtungen können altern, sie werden durch Lösungsmittel, Kosmetik oder Parfüm beschädigt – aber auch ein Stoß auf die Krone kann schaden.

„Normalerweise wird eine Revision erst dann nötig, wenn die Uhr starke Abweichungen vorweist. Je seltener sie geöffnet werden muss, desto besser – so bleiben Staub und Schmutz draußen“, sagt der Stuttgarter Juwelier. Bei einer normalen Nutzung ist eine Überprüfung der Wasserdichtigkeit und aller Funktionen immer im zwei Jahres Abstand sinnvoll. Wird die Uhr stark beansprucht – etwa beim Duschen, Schwimmen oder im Salzwasser – sei eine jährliche Überprüfung zu empfehlen.

Tudor Uhr geöffnetWas tun, um die Uhr in Schuss zu halten?

„Eine Uhr sollte stets sorgsam, liebevoll und ehrfürchtig behandelt werden und am besten nie an dritte verleihen“, empfiehlt Häffner.  Der Besitzer sollte seine Uhr gelegentlich reinigen. Dazu eignet sich für Uhren mit einer Wasserdichtheit zwischen drei und fünf Bar ein nicht zu feuchtes Tuch. Uhren mit einer Dichtheit von zehn Bar können auch unter fließendem Wasser mit etwas Seifenwasser gereinigt werden. Für Edelstahlbänder eignet sich am besten eine Zahnbürste.  Trocknen Sie die Uhr danach mit einem weichen Tuch ab.

Einstellen der Zeit und des Datums

Bringen Sie die Aufzugskrone (nach Aufschrauben, sofern eine Schraubkrone vorhanden ist) durch Herausziehen in die erste Rasterstellung. Diese Position ist meist die richtige Stellung für die Datumschnellschaltung. Stellen Sie das Datum durch Drehen der Krone auf das Datum des vergangenen Tages und drehen Sie dann unter Nutzung der zweiten Kronenstellung (nochmaliges Herausziehen der Krone in die zweite Rasterstellung) den Stundenzeiger vorwärts über 12 Uhr. Springt das Datum um einen Tag weiter, so steht die Uhr auf dem Beginn des aktuellen Datums. Ist es gerade Nachmittag, so müssen Sie den Stundenzeiger nochmals über die 12 Uhr drehen, also auf „Nachmittag“.

Die Datumsschnellschaltung sollte – speziell bei Chronografen – nicht zwischen 21.00 und 3.00 Uhr betätigt und das Datum nur vorwärts verstellt werden.

Welche Verschleißteile, wann ersetzen?

„Am wichtigsten ist der Ölwechsel alle drei bis fünf Jahre, um mechanischen Abrieb oder gar Lagerschäden im Uhrwerk zu vermeiden“, erklärt Uhrenliebhaber Ralf Häffner. Stark beanspruchte Bauteile seien das Anker- oder Sekundenrad – diese gehörten zu den am schnellsten drehenden Rädern. „Ein Tausch nach fünf bis zehn Jahren kann hier für den genauen Gang notwendig werden.“ Zudem ist ein Tausch der Gehäuse-Dichtungen alle fünf Jahre sowie von Krone und Tubus alle zehn Jahre in Betracht zu ziehen. Lederbänder sollten hingegen aus hygienischen Gründen bei täglichem Tragen schon nach ein bis eineinhalb Jahren ausgetauscht werden.

Werkstatt

„Die meisten Teile eines Uhrwerks sind jedoch sehr wartungsarm. Werke mit schmierungsfreier Hemmung sind wohl im Vorteil. Denn hier gibt es keinen spröde werdenden Schmierfilm aus Öl.

Da die Hemmung – inklusive Ankerrad – zu den am stärksten beanspruchten Teilen eines Uhrwerks gehört, können Bauteile aus Silizium oder mit Diamantbeschichtung Vorteile bieten. Die übrigen Bauteile des Werkes müssen darauf aber angepasst sein; denn auch eine wartungsarme Hemmung nützt wenig, wenn das Öl an anderer Stelle getauscht werden muss.

Aufbewahrung und Tragen

„Stöße, große Temperaturschwankungen und Magnetfelder sollten Sie vermeiden. Eine Taucheruhr sollte nach dem Schwimmen im Salzwasser unter fließendem Wasser gereinigt werden. Handaufzugsuhren sollten täglich zur gleichen Zeit aufgezogen werden. Ein Automatikwerk zieht sich durch Bewegungen des Trägers von täglich acht bis zehn Stunden von alleine auf.

Grundsätzlich gilt: Ein manueller Aufzug ist bei einer Mechanischen-, (Handaufzug- oder Automatikuhr) immer notwendig. Vor der ersten Inbetriebnahme und nach längeren Ruhephasen reicht bei Automatikuhren die alleinige Bewegung nur durch das Tragen nicht aus. Um Ihre Uhr in Betrieb zu nehmen, sollten Sie diese voll aufziehen. Dies geschieht über die Krone. Bei ungetragenen Uhren reichen 25 bis 30 Kronenumdrehungen zum Aufziehen aus“, rät Häffner.

Tudor seitlichNachts sollte die Uhr nicht an kalten Orten abgelegt werden – auch Tische mit Glasoberflächen sind nicht ideal, da Ganggenauigkeit und Öl unter den Temperaturschwankungen leiden. Die Temperatur der Uhr am Arm beträgt übrigens rund 30° Celsius.
Je nachdem, wie Sie Ihre Uhr ablegen, können Sie damit die Ganggenauigkeit zum Teil mit beeinflussen – Abweichungen von bis zu 2 Sekunden am Tag sind möglich:

 

  • Krone oben bedeutet, die Uhr läuft langsamer, da sich die Unruh in einer hängenden Position befindet und der Widerstand grösser ist.
  • Zifferblatt unten bedeutet, die Uhr läuft schneller, da hier die geringste Reibung auftritt.

Wenn eine Uhr allerdings für längere Zeit nicht getragen wird, sollte sie trocken und staubdicht in einem Etui oder einer Vitrine aufbewahrt werden. Auch ein Uhrenbeweger ist ein guter Ort. Ansonsten genügt es, wenn die Uhr alle zwei bis drei Monate einmal komplett aufgezogen wird, damit sich das Öl im Werk verteilt und elastisch bleibt. Bei längerer Lagerung sollte man auf einen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung achten – und die Uhr natürlich auch im Solarium abnehmen.
„Extreme Temperaturen sowie hohe Luftfeuchtigkeit verringern die Lebensdauer“, weiß der Stuttgarter Juwelier. Mechanische Uhren sollten zudem regelmäßig bewegt werden, doch nicht zu extrem: Belastungen und starke Erschütterungen, wie beispielsweise beim Squash oder Holzhacken, sollte Mann vermeiden.

Mit diesen einfachen Regeln bleibt auch Ihre Traumuhr ein Leben lang erhalten – und kann zu gegebener Zeit auch weiter vererbt werden. Viele weitere nützliche Tipps erhalten Sie hier: http://www.watch.de/germany/faqs  – 25. Tipps & Tricks rund um die Armbanduhr.

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